Band Rehearsal Companion

Bandproben mit dem Handy aufnehmen

· 8 Min. Lesezeit

Die meisten Bands nehmen ihre Proben schon auf. Sie finden die Aufnahmen hinterher nur nicht wieder.

Es läuft immer gleich. Jemand hält beim letzten Durchlauf vom neuen Song das Handy hoch, die Datei landet im Gruppenchat, drei Leute schreiben „geil“, und vier Wochen später weiß keiner mehr, ob AUD-20260713-WA0007.opus der gute Take vom zweiten Song ist oder ein Fehlstart vom vierten. Die Aufnahme war nie das Problem. Das Ablegen schon.

Hier geht es also um beides: eine Probenaufnahme hinzubekommen, die sich wirklich anzuhören lohnt, mit dem Handy, das du sowieso hast, und sie so abzulegen, dass du sie noch findest, wenn es drauf ankommt.

Das Handy reicht, der Platz meistens nicht

Das Mikro in einem Mittelklasse-Handy kommt mit einem Proberaum besser klar, als man denkt. Ein Master wird das nicht, muss es aber auch nicht. Du nimmst auf, damit die Band mit Beweisen übers Arrangement streiten kann, und dafür reicht: Alle sind zu hören, und das Timing ist ehrlich.

Was eine Probenaufnahme ruiniert, ist fast nie das Mikro. Es ist eins von vier Dingen:

Der Platz, der meistens funktioniert, ist unspektakulär: das Handy auf Kopfhöhe, ungefähr da, wo ein Zuhörer stehen würde, zwei, drei Meter vor der vorderen Reihe der Band, auf einem Ständer oder Hocker, nicht in der Hand. Display nach oben, Mikro frei. Wenn der Drummer laut ist (der Drummer ist laut), geh einen Schritt Richtung leiseres Ende des Raums, statt das Schlagzeug im Kopf leiser zu drehen.

Noch etwas, das nichts kostet: Flugmodus an. Ein Anruf mitten im Take ist die sicherste Methode, genau den Durchlauf zu verlieren, in dem die Bridge endlich saß.

Nimm die ganze Probe auf, nicht nur die guten Stellen

Der Reflex ist, nur die Takes aufzunehmen, die gut werden könnten. Der Reflex ist falsch, aus einem ganz praktischen Grund: Welcher Durchlauf der gute war, weißt du erst, wenn du ihn gehört hast, und an den Durchlauf, den keiner aufgenommen hat, erinnern sich hinterher alle als den besten.

Die ganze Probe aufzunehmen hat einen Preis: Am Ende hast du neunzig Minuten Audio, in denen vier Minuten stecken, die dich interessieren. Genau das muss das Ablegen lösen. Wenn du pro Probe eine lange Datei hast, spulst du einmal durch und nie wieder, und du bist wieder beim WhatsApp-Problem, nur umständlicher.

Was in einer echten Band funktioniert: eine Aufnahme pro Durchlauf, abgelegt beim Song, zu dem sie gehört. Starten beim Einzählen, stoppen, wenn der Song aus ist. So hast du viele kurze Dateien statt einer langen, und kurze Dateien hört man sich auch wirklich an.

Um genau diese Struktur ist Band Companion gebaut, und deshalb gibt es die App überhaupt. Ein Take ist keine lose Datei, er hängt an einem Song, der an der Band hängt. Das Datum wird automatisch gespeichert, und das Tempo, das die App im Audio erkennt, ebenso. Ein Take kommt also schon mit den zwei Angaben an, die du sonst selbst eintippen müsstest.

Was du am selben Abend mit dem Take machst

Die halbe Stunde nach der Probe ist die Zeit, in der eine Aufnahme am meisten wert ist, und genau dann fahren alle nach Hause. Ein paar Gewohnheiten machen den Unterschied zwischen einem Archiv und einem Haufen.

Bewerte sie, solange du dich noch erinnerst. Keine lange Besprechung, nur grob sortieren. Drei oder vier Takes vom selben Song, einer davon klar besser als der Rest. Stern drauf. Und wenn sich die Band auf eine Version einigt, markier einen Take als endgültig. Sechs Wochen später ist „auf welchen hatten wir uns geeinigt?“ dann eine Frage mit Antwort statt ein Streit.

Schreib die eine Sache auf, die dir aufgefallen ist. Keinen Bericht. Eine Zeile. „Bass kommt im zweiten Refrain einen Takt zu früh.“ „Dieses Tempo passt, das andere schleppt.“ Notizen am Song halten Monate länger als die Erinnerung an die Probe.

Markier die Stelle, nicht den Song. Wenn das Problem bei 2:14 liegt, setz einen Marker auf 2:14. Das Zurückspulen zu einer Stelle, an die man sich nur halb erinnert, ist genau die Reibung, wegen der Leute ihre Probenaufnahmen gar nicht mehr nutzen, und die lässt sich komplett vermeiden.

Im Proberaum ist der Empfang mies. Plan das ein.

Proberäume liegen im Keller, in der Garage oder in irgendeiner Gewerbehalle. Der Empfang ist schlecht oder gar nicht da, und jedes Tool, das erst hochladen muss, bevor es speichert, ist genau da nutzlos, wo du es brauchst.

Aufnehmen muss offline funktionieren, komplett und ohne Abstriche: aufnehmen, speichern, abspielen, Notizen machen, alles auf dem Gerät, und hochgeladen wird, sobald das Handy wieder Netz hat. Alles, was davon ausgeht, dass das Netz da ist, lässt dich an einem Dienstagabend im Stich, wenn der Raum noch zwanzig Minuten gebucht ist.

Das solltest du prüfen, bevor du dich auf ein Tool festlegst. Flugmodus an und versuchen aufzunehmen. Wenn es meckert, ist es kein Tool für die Probe.

Wie viel Platz eine Probe wirklich braucht

Die Zahlen sind wichtig, weil sie bestimmen, was du behalten kannst. Grobe Werte für komprimiertes Audio in einer Qualität, die zum Nachhören von Proben völlig reicht:

Ein Jahr wöchentlicher Proben, nur behalten, was einen Stern hat: ein paar hundert Megabyte. Dieser Unterschied ist das Argument fürs Aussortieren, und darum lohnt es sich, die Takes noch am selben Abend zu bewerten. Nicht um Geld zu sparen, sondern weil das Archiv nur so lange nützlich bleibt, wie das Verhältnis von Brauchbarem zu Ausschuss stimmt.

Zum Vergleich: Band Companion gibt einer Band 200 MB kostenlos, das reicht für ein paar Monate, wenn ihr aussortiert, und 10 GB für 10 Euro im Monat pro Band, das reicht, um nicht mehr darüber nachzudenken.

Was sich ändert, wenn man die Aufnahmen wiederfindet

Es geht dabei nicht um Ordnung. Es geht darum, dass eine Band, die in ihren eigenen Proben suchen kann, anders diskutiert.

Die Diskussion, ob das Tempo vom zweiten Song hochgerutscht ist, erledigt sich, weil ihr den Take aus dem Februar neben den aus dem Juni legen könnt. Wer eine Probe verpasst hat, hört, was entschieden wurde, statt es erzählt zu bekommen. Wer einen Part lernt, bekommt das Arrangement, das die Band wirklich spielt, und nicht die Platte, die sich meistens an mindestens drei Stellen unterscheidet.

Dafür braucht es kein Studio. Es braucht ein Handy am richtigen Platz, eine Datei pro Durchlauf und die Disziplin, fünf Minuten fürs Ablegen aufzubringen, bevor alle heimgehen.

Weiterlesen: was eine Band-Management-App wirklich können sollte, einen Song zu Hause mit A/B-Loop üben, sobald du die Takes hast, und warum eine DAW dafür das falsche Werkzeug ist, falls du gerade zu einer greifen wolltest.

Häufige Fragen

Brauche ich ein externes Mikro, um Proben aufzunehmen?

Nein, nicht für Probenaufnahmen. Ein Handy auf Kopfhöhe, ein paar Meter entfernt und auf einem Ständer, liefert etwas, das sich alle in der Band anhören und mit dem sie arbeiten können. Ein externes Mikro hilft, wenn du etwas aufnimmst, das du veröffentlichen willst, und das ist eine andere Aufgabe mit anderen Anforderungen.

Soll ich eine lange Datei aufnehmen oder eine pro Song?

Eine pro Durchlauf. Eine einzige lange Datei hört man einmal und öffnet sie dann nie wieder, weil das Suchen nach der Stelle mehr kostet, als die Stelle wert ist. Kurze Takes, die beim passenden Song liegen, hört man immer wieder.

Kann ich eine Probe ohne Internetverbindung aufnehmen?

Ja, und darauf solltest du bestehen. Proberäume haben selten brauchbaren Empfang. Band Companion nimmt ganz ohne Netz auf und speichert auf dem Gerät, lädt Takes und Änderungen hoch, sobald das Handy wieder verbunden ist, und zeigt dir, wie viel noch auf den Upload wartet.

Wie verhindere ich, dass Probenaufnahmen mein Handy vollmachen?

Bewerte die Takes noch am selben Abend und behalte die, die zählen. Ein Take von drei Minuten hat etwa 3 MB, das Problem ist also nie eine einzelne Aufnahme, sondern zwei Jahre, in denen nie jemand entschieden hat. Wenn du pro Song einen Take als endgültig markierst, ist die Entscheidung später schon getroffen.

Wie finde ich am schnellsten eine bestimmte Stelle in einem Take?

Setz beim ersten Anhören einen Marker. Eine Stelle durch Hin- und Herspulen zu suchen ist genau die Reibung, wegen der Leute ihre eigenen Aufnahmen aufgeben, und ein einmal gesetzter Marker räumt sie für immer aus dem Weg.

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