Noten auf dem Tablet lesen: der PDF-Notenleser für Probe und Gig
Jedes Handy öffnet ein PDF. Ein Notenleser ist es deshalb noch lange nicht. Den Unterschied merkst du drei Minuten nach Beginn des ersten Songs: Du musst umblättern und hast beide Hände voll, der Bildschirm geht von selbst aus, und die Anmerkung aus der Probe am Dienstag steht in einer anderen Kopie.
Ein Notenleser ist eine App, die zum Lesen von Musik beim Spielen gebaut ist. Er blättert um, ohne dass du das Instrument loslassen musst, lässt dich in die Noten schreiben, ohne das Original zu verändern, hält den Bildschirm an und sortiert die Noten nach Song und nach Gig, nicht in einem Download-Ordner.
Warum ein normaler PDF-Betrachter nicht reicht
Der Betrachter, der auf dem Handy vorinstalliert ist, ist fürs Lesen im Sitzen gemacht. Auf dem Notenständer scheitert er an vier Dingen, immer denselben.
Der Bildschirm geht aus. Nach dreißig Sekunden ohne Berührung sperrt das System das Gerät, und fünf Minuten Song, ohne den Bildschirm anzufassen, sind völlig normal.
Umblättern braucht eine Hand. Wischen ist auf dem Sofa in Ordnung. Mit umgehängter Gitarre oder den Sticks in der Hand nicht.
Anmerkungen gehen verloren. Schreibst du mit einer anderen App ins PDF, speicherst du eine neue Datei. Nach einem Monat gibt es drei Versionen derselben Noten, und niemand weiß, in welcher der richtige Fingersatz steht.
Er weiß nicht, welcher Song als Nächstes kommt. Der Betrachter öffnet eine Datei. Der Gig besteht aus zwölf, in einer Reihenfolge, und zwischen zwei Songs im Ordner nach der nächsten zu suchen ist genau das, was du nicht willst.
Was eine Noten-App können muss
Freihändig umblättern
Die übliche Lösung ist ein Bluetooth-Blätterpedal. Die meisten melden sich am Handy oder Tablet als Tastatur an und schicken bei jedem Tritt eine Taste (Pfeiltaste, Bild ab, Leertaste). Deshalb brauchen sie keine eigene App: Jeder Notenleser, der diese Tasten versteht, funktioniert damit.
Wichtig ist, was auf der letzten Seite passiert. Ein guter Notenleser springt beim nächsten Tritt auf die erste Seite des nächsten Songs im Gig. Ein schlechter bleibt stehen, und du musst das Instrument loslassen.
Annotieren, ohne das Original zu verändern
Fingersätze, Atemzeichen, „Achtung, Wiederholung!“, ein Kreis um den Takt, der euch immer entwischt. Auf Papier machst du das mit Bleistift. Auf dem Tablet brauchst du dasselbe: Stift, Textmarker und Radierer, und alles muss sich rückgängig machen lassen.
Zwei Details trennen eine brauchbare App von einer lästigen:
- Die Anmerkungen liegen auf einer eigenen Ebene. Das Original-PDF bleibt unangetastet, und du kannst die Anmerkungen ein- und ausblenden, wenn du die Noten sauber sehen willst.
- Der Finger malt nicht, wenn du mit dem Eingabestift schreibst. Legst du beim Schreiben die Hand auf den Bildschirm, darf kein Fleck entstehen. Mit dem Finger solltest du weiter scrollen und zoomen können.
Ohne Netz funktionieren
Proberäume und Kneipenkeller haben denselben Empfang: keinen. Liegen die Noten in der Cloud und werden erst beim Öffnen geladen, stehst du an dem Tag, an dem die Verbindung ausfällt, ohne Gig da. Der Notenleser muss alles vorher über WLAN laden können und danach ohne Netz laufen.
Die Noten nach Song ordnen
Noten stehen nicht für sich allein: Sie gehören zu einem Song, mit Text, Aufnahme und einem Platz in der Setlist. Weiß der Notenleser das, gehst du beim Gig in der Reihenfolge der Setlist von Song zu Song, ohne Dateien zu suchen.
Tablet oder Handy
Zum Notenlesen gewinnt das Tablet klar. Eine Notenseite auf einem 10- oder 11-Zoll-Bildschirm liest du auf Notenständer-Abstand fast wie auf Papier. Auf dem Handy ist eine ganze Seite zu klein, um sie beim Spielen zu lesen. Du zoomst und schiebst die Seite herum, und genau das geht mit vollen Händen nicht.
Das Handy reicht, um in der U-Bahn Noten durchzugehen, einen Text nachzuschauen oder eine Akkordliste mit großer Schrift zu lesen. Für mehrseitige Noten beim Spielen: Tablet.
Hat das Tablet einen Stift (ein Samsung mit S Pen zum Beispiel), fühlt sich Annotieren viel mehr nach Papier an als mit dem Finger.
Was Band Companion als Notenleser kann
Band Companion ist nicht nur ein Notenleser, sondern eine App für die ganze Band, in der auch die Songs, die Probenaufnahmen und die Auftritte liegen. Noten lesen ist aber ein zentraler Teil, und das kann die App heute auf Handy und Tablet:
- PDF importieren aus den Dateien des Geräts oder, unter Android, über Teilen aus einer anderen App. Word-Dokumente (.docx und .doc) werden beim Anhängen in PDF umgewandelt. Dabei bleibt nur der Text mit einfacher Formatierung erhalten, Bilder nicht. Fotos von Noten lassen sich bisher nicht importieren.
- Die Seiten stehen untereinander, du scrollst durch und zoomst mit zwei Fingern. Der Bildschirm bleibt an, solange du liest.
- Annotieren mit Stift, Textmarker, Textfeldern und Radierer, in mehreren Farben und Strichstärken, mit Rückgängig und Wiederholen. Das Original-PDF ändert sich nicht, und ein Schalter blendet die Anmerkungen ein oder aus. Am Ende der Noten kannst du leere Seiten hinzufügen für alles, was sonst keinen Platz hat.
- Der Stiftmodus sorgt dafür, dass nur der Eingabestift malt: Der Finger scrollt und zoomt, und der aufgelegte Handballen hinterlässt keine Spuren. Beim S Pen wird der Stift zum Radierer, solange du die Seitentaste gedrückt hältst.
- Der Live-Modus geht die Setlist oder den Auftritt Song für Song durch, mit den Noten im Vollbild. Ein Bluetooth-Blätterpedal (oder eine Tastatur) blättert auf die nächste Seite und am Ende des Songs auf die erste Seite des nächsten. Geblättert wird immer eine ganze Seite, keine halbe.
- Offline: Auf dem Synchronisierungsbildschirm kannst du den gesamten Inhalt der Band herunterladen, annotierte Noten eingeschlossen, um ihn in einem Keller ohne Empfang zu nutzen.
- Drucken oder teilen kannst du die Noten mit Anmerkungen oder sauber, wenn du die Ebene ausblendest.
Was die App nicht kann, damit niemand überrascht wird: Es gibt keinen Dunkelmodus für Noten (die Seiten bleiben immer weiß), eingescannte Noten werden nicht erkannt und in Notensatz umgewandelt, und Audio wird nicht in Noten transkribiert. In der Web-Version kannst du Noten mit ihren Anmerkungen ansehen und mit Stift, Text und Radierer annotieren, Live-Modus und Pedal gibt es aber nur auf Handy und Tablet.
Die Noten gehören zum Repertoire, deshalb tauchen sie auch in der Setlist jedes Auftritts auf und im Übungsmodus, wo du zu einer Aufnahme der Band spielst und dabei die Noten liest. Willst du vorher eine bestimmte Stelle ausarbeiten, steht das in einen Song mit A/B-Loop üben.
Vor der ersten Probe einrichten
Der Umstieg von Papier aufs Tablet klappt besser, wenn er nicht am Tag des Gigs passiert.
- Scanne die Noten ein oder besorg dir das PDF und lade es beim passenden Song hoch, nicht in einen losen Ordner.
- Übertrag die Anmerkungen, die du auf Papier schon hattest, zumindest das Wichtige: Wiederholungen, Codas, Taktwechsel.
- Koppel das Pedal mit dem Tablet wie eine Tastatur und probier es mit einem Song über drei Seiten aus. In den Einstellungen von Band Companion gibt es einen Test, der dir anzeigt, welche Taste ankommt.
- Spiel eine ganze Probe mit dem Tablet, bevor der erste Gig ansteht. Da merkst du, dass der Notenständer zu schräg steht oder die Schrift auf Seite drei zu klein ist.
- Lad alles herunter, am Abend vorher, über WLAN, und nimm das Ladekabel mit.
Häufige Fragen
Was ist ein Notenleser?
Eine App, mit der du Noten als PDF beim Spielen liest. Sie hält den Bildschirm an, blättert per Pedal oder ohne dass du das Instrument loslässt, lässt dich Anmerkungen machen, ohne das Original zu verändern, und ordnet die Noten nach Song und nach Gig.
Wie blättere ich freihändig um?
Mit einem Bluetooth-Blätterpedal. Es verbindet sich mit dem Tablet wie eine Tastatur, und jeder Tritt schickt eine Taste zum Weiterblättern. Der Notenleser muss diese Tasten verstehen und am Ende eines Songs zum nächsten im Gig springen.
Noten besser auf dem Tablet oder auf dem Handy lesen?
Auf dem Tablet. Eine ganze Seite auf einem 10- oder 11-Zoll-Bildschirm liest du vom Notenständer aus fast wie auf Papier. Auf dem Handy ist sie zu klein, um ohne Zoomen zu spielen, und mit vollen Händen kannst du nicht zoomen.
Kann ich Noten annotieren, ohne das PDF zu verändern?
Ja, wenn der Notenleser die Anmerkungen auf einer eigenen Ebene speichert. In Band Companion ändert sich das Original-PDF nie, und die Anmerkungen blendest du mit einem Schalter ein oder aus.
Funktioniert das ohne Internetverbindung?
Band Companion kann den gesamten Inhalt der Band herunterladen, Noten und Anmerkungen eingeschlossen, damit du ihn ohne Empfang nutzen kannst. Am besten machst du das über WLAN, bevor du zur Probe oder zum Gig aufbrichst.